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Die Alexander-Technik Eine Einführung Was ist die Alexander-Technik? Die Alexander-Technik ist keine Therapie, sondern ein pädagogisches Verfahren. Ziel ist, die kinästhetische Wahrnehmung und das sensomotorische Verständnis des Schülers soweit zu fördem, daß er eigenverantwortlich die Qualität seiner Reaktions- und Verhaltensweisen - seinen Selbst-Gebrauch also - wahrnehmen und entwickeln kann. Wer war F. M. Alexander? Mit Hilfe von Spiegeln entwickelte er eine systematische Beobachtung seines Sprechens und Rezitierens. Diese Erfahrung führte ihn im Laufe der Zeit zu einem umfassenden Verständnis für die Zusammenhänge von Gewohnheiten, Eigenwahrnehmung (kinästhetischer Sinn), und Selbst- bzw. Reflexsteuerung des menschlichen Organismus (insbesondere des neuromuskulärem Bewegungsapparates). Es gelang ihm, seine auf empirischer Selbstbeobachtung beruhenden Erkenntnisse zu systematisieren und andere darin zu unterrichten. Alexanders Beobachtungen (1) Funktionale Grundlagen von Bewegung und Koordination (2) Eigenwahmehmung (Kinästhetik) (3) Praktische Umsetzung der kinästhetischen und bewegungsfunktionalen Erkenntnisse Diese drei Ebenen sind nicht streng von einander getrennt, sondern stehen in enger wechselseitiger Beziehung. zu (1) Funktionnale Grundlagen von Bewegung und Koordination Weiteres Experimentieren und Beobachten führten ihn zu der Erkenntnis, dass das Bewegungsverhältnis von Kopf zum Hals/Rumpf für die Organisation dieser neuromuskulären Ganzkörperreaktion von zentraler Bedeutung war, und den Ablauf und die Qualität aller weiteren Bewegungssequenzen beeinflusste und bestimmte. Die Organisation der Kopfbewegung im Verhältnis zum Hals/Rumpf war von primärer Bedeutung für die Ausführungsqualität aller weiteren Bewegungssequenzen in einer Handlung. zu (2) Eigenwahmehmung (Kinästhetik) zu (3) Praktische Umsetzung der kinästhetischen und bewegungsfunktionalen
Erkenntnisse Bedeutung der Beobachtungen (wissenschaftliche Untersuchungen) Alexander gelang es, in seinen systematisch-empirischen Selbstbeobachtungen und Experimenten eines der grundlegenden Organisationsprinzipien menschlichen Verhaltens zu identifizieren: Der menschliche Organismus funktioniert nicht in Teilen, sondern immer nur als Ganzes. Für die Organisation und Ausführung von Bewegung und Koordination bedeutet dies, dass immer der gesamte neuro-muskuläre Bewegungsapparat aktiviert wird und niemals nur ein Teil. Diese ganzheitliche neuromuskuläre Aktivität wird primär durch das Bewegungsverhältnis zwischen Kopf, Hals und Rumpf beeinflusst und organisiert. In allen Handlungen ist die Bewegung des Kopfes primär zu den Bewegungen der einzelnen Körperteile, und die Bewegung der einzelnen Körperteile wird erst durch die richtige Koordination zwischen Kopf, Hals und Rumpf in das ganze System integriert. Prof. Charles Sherrington, Nobelpreisträger für Medizin und einer der bedeutendsten Physiologen unserer Zeit schrieb: "Dadurch, dass er [Alexander] darauf bestand, jede Handlung als das ganze integrierte Individuum, den ganzen psycho-physischen Menschen betreffend anzusehen, hat Mr. Alexander für die Physiologie von Körperhaltung und Bewegung Grosses geleistet. Einen Schritt zu machen betrifft nicht nur den einen oder anderen Körperteil, sondern die gesamte neuromuskuläre Aktivität des Augenblicks - vor allem aber von Kopf und Hals." [2] Prof. Rudolf Magnus von der Universität Utrecht, Holland, studierte Anfang der 20-er Jahre die Hals/Nacken Reflexe von Tieren. Seine Untersuchungen führten ihn zu dem Schluss: 'Der gesamte Mechanismus des Körpers reagiert dergestalt, dass der Kopf führt und der Körper folgt.' Prof. George Coghill, amerikanischer Biologe und Zeitgenosse Alexanders, untersuchte die Bewegungsentwicklung bei primitiven Wirbeltieren. Seine Versuche ergaben, dass 'Bewegung kontrolliert und integriert wird durch das zentrale Verhaltensmuster von Kopf, Hals und Rumpf, welches dem Verhaltensmuster einzelner Glieder übergeordnet ist'. Prof. Magnus als auch Prof. Coghill kamen in ihren jeweiligen Fachgebieten und mit ihren eigenen Methoden zu gleichen Ergebnissen. Alexander antizipierte diese in ihrer fundamentalen Bedeutung für den Menschen. Aldous Huxley, Schriftsteller und Schüler Alexanders, schrieb: "Alexanders fundamentale Entdeckung war folgendes: Im Menschen, wie in allen Wirbeltieren, existiert eine Primärkoordination, die den richtigen Gebrauch des gesamten Organismus konditioniert...". Dr. W. Barlow, englischer Arzt und Rheumatologe, war einer der ersten Schulmediziner, der von dem Wert der Alexander-Technik für die menschliche Gesundheit so überzeugt war, dass er sich in den 50-er Jahren zum Lehrer der Alexander-Technik ausbilden liess. In seiner Tätigkeit als Arzt an einem Londoner Krankenhaus konnte er die positiven Auswirkungen der Alexander-Technik auf Haltung und Gesundheit seiner Patienten beobachten und untersuchen. Er führte u.a. Studien durch, in denen er Patienten in standardisierten Positionen zu Anfang und nach Abschluss einer Serie von Unterrichtsstunden in Alexander-Technik photographierte. Unterstützt durch Röntgenaufnahmen und Messungen von Muskelaktivität (EMG) konnte Dr. Barlow in vielen Publikationen (vorwiegend in medizinischen Fachblättern) die weitreichende Effektivität der Alexander-Technik aufzeigen. [3] [4] In 1949/50 führte Dr. Barlow eine Versuchsreihe am Royal College of Music in London durch. 50 Studenten erhielten jeweils ca. 37 Unterrichtseinheiten (Einzelunterricht von 30 min. Dauer) in der Alexander-Technik. Die ersten etwa 15 in täglichem Rythmus, den Rest 1 bis 2 mal wöchentlich, über einen Zeitraum von 2 bis 3 Monaten verteilt. Auch hier konnte er durch standardisierte Photographien, die am Anfang und am Ende der Versuchsreihe genommen wurden, beweisen, dass die Haltung und Koordination der Musikstudenten zum Teil erheblich verbessert wurde. Durch Befragung der sie unterrichtenden Professoren wurden diese Ergebnisse verifiziert und ergänzt:
In Amerika führte Professor F. P. Jones, selbst Lehrer der Alexander-Technik, an der Tafts University, Massachusetts, mit Unterstützung des öffentlichen Gesundheitswesens vielfältige und weitreichende Experimente zur wissenschaftlichen Erforschung der Alexander-Technik durch. Unter anderem untersuchte er mit Hilfe stroboskopischer Serienphotographien und von Elektromyographie (EMG) die Bewegungssequenzen und Muskelaktivitäten des Schreck-Reflexes, der nicht nur bei plötzlichem Erschrecken ausgelöst wird, sondern auch physiologische Komponente stress-bedingter Reaktionen zu sein scheint. Er konnte beweisen, dass die Reflexreaktion, die den ganzen Körper einbezieht, ihren Ausgangspunkt immer in der Veränderung (Erhöhung) des Muskeltonus der Hals/Nakkenmuskulatur hat, wodurch die Bewegung des Kopfes zum Hals/Rumpf beeinflusst wird. Gelang es den Probanden, diesen Teil der Reflexaktivität bewusst wahrzunehmen und zu unterbinden (inhibieren), so unterblieb auch der Rest der Reflexreaktion. [6] Prof. Jones arbeitete auch mit Musikern, Instrumentalisten und Sängern. Den subjektiven Erfahrungsbeschreibungen der Musiker (Cellisten, Pianisten und Sängern) von Leichtigkeit, grösserer Kontrolle, besserer Atmung und stimmlicher Resonanz (Sänger) konnte er mit Hilfe von Klangspektrogrammanalysen von Tonbandaufnahmen endsprechende objektive Kriterien zuordnen. [6] Bedeutung der Alexander-Technik für Musiker Immer mehr Musikstudenten erfahren eine Verzögerung wenn nicht gar Unterbrechung ihres Musikstudiums auf Grund gesundheitlicher Probleme des Bewegungsapparates, oder treten auf ärztliches Anraten von Prüfungen zurück. Wie kaum ein zweiter Beruf müssen Musiker in der Lage sein, unter Stress nicht nur mentale sondern auch motorische Höchstleistungen zu erbringen. Diese sind gekennzeichnet durch hochspezialisierte feinmotorische Anforderungen, die oft auch repetitiv sind. Zuständig für die Wahrnehmung von Bewegung ist der kinästhetische Sinn. Nach der Definition von Aristoteles haben die 5 Sinne Namen, die jedermann bekannt sind. Dies trifft jedoch nicht auf die Kinästhetik zu. Im "Handbook of Experimental Psychology" heisst es: 'Die Kinästhetik, zu deutsch auch Muskel- oder Bewegungssinn, ist wahrscheinlich die wesentlichste Empfindung, die der Mensch besitzt. Ohne die Kinästhetik könnte der Mensch keine aufrechte Haltung bewahren, geschweige denn selbstständig gehen, sprechen oder Geschicklichkeitsarbeiten ausführen. Jedoch ist von der Existenz der Kinästhetik in weiten Kreisen wenig bekannt, und für den Begriff besitzt der allgemeine Sprachgebrauch kein Äquivalent. [8] Musikalität braucht zur Verwirklichung Bewegung. Die Fähigkeit des Musikstudenten bzw. Musikers, mit den Belastungen des Studiums und Berufs fertig zu werden und sein musikalisches Potential zu verwirklichen, ist in grossem Masse von der Qualität seiner Bewegungen und seines Koordinationsbewusstseins, des kinästhetischen Sinnes also, abhängig. Der oben zitierte Untersuchungsbericht zeigte auch auf, dass 68% aller in Behandlung befindlichen Musiker die vom Arzt vorgeschlagene Therapie selten oder nie befolgen. Die geringe Bereitschaft zur Mitarbeit bei einer Therapie begründeten die Musiker selbst mit der "unzureichende(n) ärztliche(n) Betreuung, die die künstlerischberuflichen Anforderungen bei der Therapie der Erkrankungen nicht ausreichend" berücksichtigt. [9] Traditionelle Entspannungstechniken bringen oft nur vorübergehende Linderung, da durch sie meist nur das Entspannen einzelner Muskeln in Ruhezuständen vermittelt wird. Um den hohen feinmotorischen Anforderungen des Musizierens gerecht zu werden, bedarf es einer systematischen Schulung des kinästhetischer Sinnes und eines korrekten Bewusstseins für die Koordinationsprinzipien des Bewegungsapparates. Dadurch wird der Musikstudent/Musiker in die Lage versetzt, die Vielschichtigkeit und das Zusammenwirken seiner Bewegungssequenzen zuverlässig wahrzunehmen und zu steuern. Entspannung in Aktivität und ein hohes Mass an feinmotorischer Ausdrucksqualität sind die Folgen. Anerkennung der Alexander-Technik Auch in Amerika nehmen mehr und mehr Musik-Colleges die Alexander-Technik in ihr Programm auf, so z.B. die Juilliard School, New York. In Deutschland wird die Alexander-Technik seit etwa 10 Jahren unterrichtet. Zur Zeit bieten die Musikhochschulen in München, Stuttgart, Freiburg und Karlsruhe ihren Studenten Unterricht in der Alexander-Technik an. Arbeitsweise in der Alexander-Technik Traditionell wird die Alexander-Technik im Einzelunterricht vermittelt. Doch hat sich auch die Arbeit in Kleingruppen als sehr effektiv erwiesen. Literaturhinweise Über den Autor Literatur zur Alexander-Technik Nationale Gesellschaften
© 1994 by Jan Pullmann Integrativer Selbst-Gebrauch |