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Dass Sie diesen Text jetzt lesen zeigt, wie erfolgreich Sie
sich bewegen und koordinieren können!
Sie haben es bis zum Computer geschafft, ohne auf der
Strecke zu bleiben. Sie sitzen oder stehen nun, ohne umzufallen. Dabei
sind sie sogar noch in der Lage, die Maus zu führen und die Tastatur
zu bedienen! Sollten Sie das alles als nichts Besonderes betrachten, empfehle
ich Ihnen die Artikel von
[ Oliver Sacks ] und
[ David Garlick ] zu lesen!
Nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit und spüren
mal Ihre Hand an der Maus. Wie viel Spannung ist da denn? Und im Ellbogen?
Oder der Schulter? Wie ist denn die Gewichtsverteilung auf dem Stuhl?
Und was machen die Beine, während Sie lesen? Sind sie angespannt?
Vielleicht sogar unter den Stuhl gezogen oder um ein Stuhlbein geklemmt?
Wie aufgerichtet sitzen Sie? Was macht ihre Atmung? Halten Sie vor lauter
Konzentration den Atem an? Ist die Zunge vielleicht gegen den oberen Gaumen
gepresst?
Sie merken schon, hinter dieser so 'erfolgreichen' Bewegung
und Koordination eröffnet sich ein faszinierendes Feld an Wahrnehmungsmöglichkeiten.
Dass ich mich 'erfolgreich' bewege, bedeutet nicht unbedingt, dass ich
mich auch 'gut' bewege. Wie weit die Wahrnehmung unserer eigenen Koordination
von Gewohnheiten beeinflusst wird, zeigt ein einfaches Beispiel:
Falten Sie einmal die Hände wie zum Gebet. Dabei
zeigt sich, dass Sie die Finger der einen Hand über die Finger der
anderen Hand legen, dass also z. B. der linke Daumen über dem rechten
liegt, der linke Zeigefinger über dem rechten, usw. Nun öffnen
Sie die Hände und falten sie so, dass die Finger der anderen Hand
oben liegen, eingeschlossen des Daumens! Spüren Sie, wie merkwürdig
und 'falsch' sich das anfühlt? Und wie gewohnt und 'richtig' sich
die erste Art, die Hände zu falten anfühlt? Wenn unsere Eigenwahrnehmung
funktional basiert wäre, müssten sich beide Arten die Hände
zu falten, gleich anfühlen! Dass sie das nicht tun zeigt, wie sehr
unsere Eigenwahrnehmung von Gewohnheiten geprägt ist, die sich 'richtig'
anfühlen, dagegen alles andere erstmal 'falsch'.
Das Beispiel zeigt aber noch etwas. Sie mußten
nicht erst darüber nachdenken, wie das denn geht: Hände falten.
Sie haben einfach spontan reagiert und es auf die Ihnen gewohnte Weise
gemacht. Genau so haben wir für die meisten alltäglichen Aktivitäten
automatisch ablaufende Reaktionsmuster, also unsere Gewohnheiten zu stehen,
gehen, sitzen, bücken, heben, werfen, uns drehen usw., bei denen
wir über die Ausführung nicht mehr nachzudenken brauchen. Das
hat zwar den Vorteil, dass unsere Aufmerksamkeit für andere Dinge
frei ist, doch der Nachteil ist, dass wir oft automatisch reagieren und
gar nicht mehr wahrnehmen, welche sensorisch-motorischen Mittel wir einsetzen,
um 'erfolgreich' zu sein.
Mit anderen Worten: Wir merken nicht mehr, wie wir
uns selbst gebrauchen.
Hier setzt die Alexander-Technik an. Ausgehend von einfachen,
alltäglichen Bewegungen wie sitzen, stehen oder gehen, bietet sie
eine systematische Schulung der Eigenwahrnehmung (Kinästhetischer
Sinn). Dies geschieht über eine sanfte, taktile Führung durch
den Lehrer. Dabei werden unsere (Bewegungs-) Gewohnheiten erfahrbar gemacht
und neue Möglichkeiten des Selbst-Gebrauchs aufgezeigt. Dies eröffnet
ein weites Feld an Entwicklunsmöglichkeiten, sich selbst kreativ
zu gebrauchen: vom Alltäglichen bis hin zum Speziellen.
Siehe auch [ J. Pullmann:
'Alexander-Technik. Eine Einführung' ]
siehe auch [ Unterricht ] |